Jeder fünfte Wohnungsbrand entsteht auf dem Küchenherd

In den meisten Fällen wird das Kochfeld aus Versehen eingeschaltet.

Kiel, Dezember 2019

Auf dem Herd steht die Kaffeepadmaschine, und zwar in Flammen. Der Wohnungsmieter hat sie ein paar Minuten zuvor eingeschaltet und dabei versehentlich den Drehregler für die Kochplatte verstellt. Als er aus dem Badezimmer zurück in die Küche kommt, greifen die Flammen bereits nach der Dunstabzugshaube. Ohne Feuerwehr ist die Situation nicht mehr zu handhaben.

Die Küche ist der Raum, in dem die meisten Wohnungsbrände entstehen. Nach einer Statistik des Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) nehmen 40 Prozent aller Feuer in Haushalten dort ihren Ausgang. „Der häufigste Brandausgangspunkt ist der Küchenherd. Er ist die moderne Variante der klassischen Feuerstelle“, sagt IFS-Geschäftsführer Dr. Hans-Herrmann Drews.

Die Brandursache ist in den meisten Fällen, dass der Herd aus Versehen und unbemerkt eingeschaltet wird. „Das passiert bemerkenswert häufig und durch alle Altersgruppen“, sagt Drews. Aus diesem kleinen Missgeschick wird erst dadurch ein Problem, dass der Herd oft als Abstellfläche genutzt wird. Immer mehr technische Geräte in immer kleineren Küchen befeuern diesen Trend.

„Wenn etwas Brennbares auf einem eingeschalteten Kochfeld liegt, kann sich in Minutenschnelle eine lebensbedrohliche Situation entwickeln“, warnt der Schadenforscher, dessen Gutachter regelmäßig in ausgebrannten Küchen stehen. „Wir neigen dazu, spektakuläre Risiken zu überschätzen und die tatsächlichen Alltagsgefahren nicht ernst zu nehmen“, sagt Drews. Mit der Internetseite www.gefahr-erkannt.de hat das IFS darum ein virtuelles Brandlabor eingerichtet, in dem verschiedene Gegenstände auf den Herd „gestellt“ werden können. „Die Zahl der Brände scheint im Dezember proportional zum Weihnachtsstress anzusteigen. Darum möchten wir gerade jetzt auf diese Gefahrenquelle hinweisen.“

Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung e. V. wurde 1976 gegründet. Es geht zurück auf das Brandverhütungslabor, das 1884 von der Schleswig-Holsteinischen Landesbrandkasse ins Leben gerufen wurde. Heute hat der Verein mit Hauptsitz in Kiel bundesweit neun Standorte. Ein Team aus Naturwissenschaftlern und Ingenieuren untersucht im Schwerpunkt Brand- und Brandfolgeschäden, Leitungswasser- und Feuchteschäden. Die Erkenntnisse aus den Ursachenermittlungen dienen der allgemeinen Schadenverhütung und werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Kontakt
IFS Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e. V.
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